Wird ein indisches Auto das Straßenbild verändern?
Wird das Billigst-Auto bald alle europäischen Kleinwagen verdrängen? Führt es zu einer weltweiten Verstopfung der Straßen und einer dramatischen Zunahme der Umweltbelastung durch Verkehrsemissionen?
Wenn man den Schlagzeilen der Auto-Zeitschriften trauen kann, werden indische Autos den Kleinstwagen-Markt revolutionieren. Doch Produktions-Engpässe und Sicherheitsvorschriften bremsen den Export nach Europa. Dennoch bereitet eine mögliche weite Verbreitung eines neuen Auto-Typs Umweltschützern Kopfschmerzen.
Der neue Kleinstwagen aus Indien kostet dort so viel, wie hierzulande ein Motorroller – hat aber vier Sitzplätze und ein Dach. Auch wenn viel mehr an Komfort für diesen Preis nicht drin liegt, ist für Millionen von Menschen Autofahren schlagartig erschwinglich geworden. In vielen Schwellenländern, die über kein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz verfügen, wird diese günstige Art des motorisierten Individualverkehrs das Straßenbild grundlegend verändern. Selbst der Export nach Europa und in die USA ist geplant.
Doch von heute auf morgen wird die Revolution nicht passieren. Denn zurzeit werden kaum genug Autos für den indischen Heimatmarkt produziert, geschweige denn für den massenhaften Export der kleinen Fahrzeuge. So haben die europäischen Autobauer Zeit, sich auf die Konkurrenz vom indischen Subkontinent vorzubereiten. Und vielleicht ist die Bedrohung für sie auch entschärft, bis sie bei uns ankommt: Um europäische Sicherheitsbestimmungen zu erfüllen, müssen die Wagen umgerüstet werden. Die zusätzlichen Sicherheitsoptionen verteuern das kleine Auto. Auch der Transport fällt ins Gewicht: Schließlich ist das Verfrachten eines günstigen Autos von Indien nach Deutschland nicht billiger, als die eines gleich großen, aber teureren Modells. Diese zusätzlichen Kosten sind besonders im Vergleich zum Einstandspreis sehr hoch.
Dennoch befürchten viele Umweltschützer, dass die Billigst-Autos besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern zu einem Auto-Boom führen werden. Obwohl sie selbst wenig verbrauchen, werden sie für mehr Kohlendioxid-Ausstoß sorgen. Denn die meisten Käufer werden nicht von einem größeren Auto umsteigen, sondern zum ersten Mal überhaupt ein Auto kaufen. Die Politik muss sich damit auseinandersetzen, dass die Lösung der Mobilitäts-Probleme der Armen ein Umweltproblem schafft.
09.07.2010